einstimmung

Als Auftakt und Einstimmung zu unserem athanor Projekt möchten wir unsere persönliche Faszination für Computer und Videospiele in den Vordergrund stellen.

Vor kurzem wurden wir gefragt: „Woran liegt es, dass uns Computerspiele faszinieren? Warum verbringt man seine Freizeit damit?“ Die Frage stammte von einer Kollegin, die selbst überhaupt keinen Bezug zu diesem Genre hat. Diese Fragen haben uns wirklich zum Nachdenken gebracht: Was genau ist für uns das Besondere an Videospielen? Worin genau liegt die Faszination? Und warum spielen wir nach all den Jahren immer noch? Warum begleiten uns Computerspiele auch als Erwachsene?

Das war für uns ein Anlass, uns über dieses Thema tiefergehend zu unterhalten. Wenn wir die Frage hören, warum wir Computer- und Videospiele spielen, ist es für uns die gleiche Frage wie: Warum lesen wir Bücher? Warum sehen wir uns Filme an? Woher stammt die Berührung, wenn wir Bilder im Museum betrachten? Warum betrachten wir alle Formen der Kunst?

das warum

Der ausschlaggebende Punkt liegt hinter einer unsichtbaren Magie – genauer gesagt, der Berührung in unserem Seelenleben. Wir sprechen nicht über die physische Berührung, die über das Nervensystem messbar wird. Genau darum sprechen wir über Kunst, Filme, Video- und Computerspiele: In uns Menschen gibt es etwas. Wir nennen es, einfach ausgedrückt, etwas Unsichtbares. Diese Art von Berührung in uns Menschen, die wir mit dem Verstand nicht erklären können. Und Computer- und Videospiele sind für uns der modernste Beweis, dass es dies gibt. Diese Ebene der Berührung, etwas Unsichtbares in und um uns, das Zwischenmenschliche, die Emotionen, familiäre Strukturen, Raum. Dort drinnen beginnt diese Magie. Es ist immer wieder hochinteressant zu beobachten, wie es Künstlern, Videospielentwicklern, genauso aber auch Regisseuren, Produzenten, Komponisten und Drehbuchautoren immer wieder gelingt, diese unsichtbare Ebene zu berühren und für uns dadurch greifbar und begreifbar zu machen.

der alchemistenofen

Unser Projekt: athanor. Ein Athanor ist ein Alchemistenofen, der im übertragenen Sinne von Verwandlung durch Erwärmung spricht. Und wenn wir berührt werden, dann hat es auch immer mit Wärme zu tun. Die Herzenswärme, die Verbindung zu etwas, etwas vom anderen in sich zu spüren, um daraus wieder mehr Mensch zu werden. Die Metapher des Alchemistenofens. Und wenn wir darüber sprechen, sprechen wir von dieser unsichtbaren Kraft, oder der Magie der Berührung, der Berührung der Seele. Deswegen tauchen wir in Computerspiele ein. Und deshalb sind Menschen, die dies erfahren, im Wandlungsprozess. Es bekommt eine Veredelung durch unsere Gefühle.

erfahrungen

Ein weiterer schöner Aspekt von Computerspielen ist, dass man in die Welt von jemandem anderen eintauchen und dort eigene Erfahrungen machen kann. Wie beim Athanor entfaltet sich durch jedes gespielte Spiel ein gewisser innerer Wandlungsprozess. Durch ein besonderes, berührendes Spiel ist man am Ende nicht mehr die gleiche Person wie zuvor. Wir Menschen haben die wirklich wunderbare Eigenschaft, durch Erfahrungen zu wachsen – sowohl im virtuellen Raum als auch im realen Leben. Natürlich sind die Entwicklungsprozesse und Seelenberührungen in der Realität noch wesentlich tiefer und ausgeprägt. Dennoch schaffen auch virtuelle Welten Berührungen, durch Musik, Geschichten, Interaktionen sowie die Charaktere mit ihren Hintergründen und Entwicklungen.

die berührung im seelengrund

Die Berührung im Seelengrund ist etwas Unantastbares in unserer Gefühlswelt. Die Vollendung eines Spieles, verbunden mit Eigenentwicklung. Es ist vergleichbar damit, ein Buch fertig zu lesen, zwischen den Zeilen zu lesen. Es sind in Filmen die Bilder, die das Unsichtbare sichtbar machen. In Computer- und Videospiele sind es die Interaktionen, welche dieses Unsichtbare sichtbar machen. Und darin liegt dieses Geheimnis. Es ist diese Interaktion mit der Umwelt, mit den Charakteren. Aber darüber hinaus auch die Interaktion, die teilweise durch Computerspiele mit anderen Menschen entsteht. Schon viele Insiderwitze und reale Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse sind durch dieses Genre entstanden. Das sind alles unterschiedliche Aspekte von Berührung.

die berührung des geistes

Wobei auch die Berührung mit dem eigenen Geist ein großes Thema in Spielen ist. Besonders Genres in denen viele Puzzle Elemente integriert sind, bei denen man Lösungen finden muss, oder man selbst zu eigenen Erkenntnissen kommen muss. Dies hält nicht nur den Kopf jung, sondern ermöglicht es auch, bestimmte Lösungsansätze in das reale Leben zu integrieren. Und auch das gibt eine bestimmte Art von Befriedigung. Diese Erfolgserlebnisse im Spiel, besonders wenn man in eine neue, unbekannte Welt eintaucht, und sich als allererstes orientieren muss. Diese Herausforderung spiegelt genau die menschliche Existenz wider. Der Mensch wird in die Welt geworfen, ohne Antworten. Er muss sich seine Welt erarbeiten, er muss sich die Welt erfühlen und erfüllen. Und Computer- und Videospiele bilden genau das nach. Sie schaffen dieses Hineingeworfen werden in die Unsicherheit und Unkenntnis, um die Welt zu erkunden.

entwicklung und wandlung

Als Beispiel für genau diese allerersten Erfahrungen bietet sich The Legend of Zelda für das Nintendo Entertainment System an, in dem man sich als der Charakter Link auf Abenteuer begibt. Trotz relativ komplexer Storyelemente wird man unbeschwert, banal und unwissend in die Welt Hyrule geworfen. Das Charakteristikum war, dass der erste Gegenstand in Legend of Zelda ein Holzschwert war. In späteren Interaktionen und den Folgeteilen wurden die Waffen und magischen Elemente immer komplexer. Doch der Ursprung war ein simples Holzschwert, um sich daraus weiterzuentwickeln, sich zu verteidigen, aber auch in dieser Verteidigung für etwas zu stehen.

Diese Entwicklung von Link war so berührend zu dieser Zeit, unter anderem durch die Untermalung mit einer traumhaften Musik, die damals über den Soundchip des Nintendo Entertainment System möglich war. Wie auch Link ist jeder Mensch ein Werdender, hineingeworfen in eine unbekannte Welt, um Erfahrungen zu sammeln. Und als Spiegelbild unserer Welt dürfen wir auch Erlebnisse in virtuellen Welten machen. Wie in einem Athanor, werden diese Erfahrungen in uns einen Wandlungsprozess einleiten.

sinnhaftigkeit

Dies ist eine sehr gute Grundlage, um auch diese Wandlungsprozesse zu verstehen, die daraus entstehen. Auf dem Weg der Vollendung eines Spieles treffen wir oft auf das wichtige Thema Sinnhaftigkeit. In einem Computerspiel weiß man im Normalfall genau, was das Ziel ist. Und wahrscheinlich ist dies etwas, das eine gewisse Art von Befriedigung gibt. Denn in unserem realen Leben fühlen wir uns manchmal etwas verloren. Wir wissen nicht, wohin. Unser Lebensziel ist uns unbekannt. Wir kennen unsere Lebensaufgabe nicht. Computerspiele geben dies vor. Man weiß, wohin man muss, und kann dieses Ziel Schritt für Schritt verfolgen. Somit wird man stetig von großen Erfolgserlebnissen begleitet. Denn man weiß ganz genau, wohin der Weg führt, und muss nur daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen. Und das kann auch Inspiration für das reale Leben sein.

ziele und führung

Computerspiele zeigen uns, dass wir auch Ziele erreichen können, die erstmals unerreichbar erscheinen. Mit den richtigen kleinen Schritten kommt man dorthin, man ist beschützt und geführt. Der Mensch kann über Computer- und Videospiele genau diesen Moment der Führung erleben, wenn wir selbst einmal orientierungslos im Leben sind oder das Schicksal schwere Aufgaben liefert. Je mehr man sich in einem Charakter selbst wiedererkennen kann, desto mehr Inspiration und Führung findet man für die Erlebnisse im realen Leben.

Eine Metapher zu diesen Entwicklungsprozessen findet sich in Final Fantasy 8, genauer gesagt in der Overtüre. Mein Kind, erhebe dich aus der Wiege. Eine schöne Metapher: dieses Heranreifen, sich auf den Weg zu machen mit all der Unsicherheit. Aber trotzdem ein Ziel zu haben, trotzdem eine Führung zu erleben. Etwas viel Besseres können wir Menschen über die Kunst gar nicht erfahren. Besonders in einer Zeit, in der so viele Informationen auf uns einfließen, und es schwer ist, eine Linie im Leben zu erkennen. Aber sie ist hier. Besonders die Integration von Kunst eignet sich, um eine gewisse Art von Führung zu sein. Den richtigen Weg für sich zu finden ist sowieso eine individuelle Aufgabe. So individuell wie das Leben, so individuell ist auch der Markt für Computer- und Videospiele.

Wahrscheinlich werden diese Aspekte mit dem Fortschreiten der Technologie immer stärker in den Fokus gerückt, dieses Unantastbare immer sichtbarer gemacht. Vielleicht besteht darin die Gefahr, dass dadurch etwas entzaubert wird. Aber viel wahrscheinlicher wird es, wie ein Athanor selbst, sogar noch mehr von uns als Menschen offenlegen.

vielfältige betrachtungsweisen

Es gibt sehr viele Themen, die man in Bezug auf Computer- und Videospiele behandeln kann. In erster Linie technisch, in zweiter Linie auf das Gameplay bezogen, aber man kann auch auf die sozialen Aspekte des Multiplayer Gamings eingehen. Der Hauptaspekt, welchen wir im athanor Projekt beleuchten möchten, ist jedoch dieses unsichtbare Phänomen der Berührung. Wir sehen Computer- und Videospiele auch als wichtigen kulturellen Faktor. Wenn wir die Wärme, die Berührung, in den Vordergrund stellen und diese Kunstform in unsere Biografie integrieren, verliert sie ihre Vorurteile. Wir versuchen, durch die Liebe zu diesem Medium über all die Berührungspunkte zu sprechen und diese unsichtbare Kraft in den Mittelpunkt zu stellen. Für uns ist es eine schöne Kunstform, die uns sehr berührt, und daher möchten wir auch andere Menschen an unseren Erfahrungen teilhaben lassen und ganz im Sinne des Alchemistenofens Wandlung herbeiführen.